Die Geschichte der Suonen von Grächen

Fortsetzung 2/3

Auch der berühmte Humanist Thomas Platter, geb. 1499, erinnert sich in seiner Lebensbeschreibung:

„Das wir uns vernarret hattend by einer wasserleitten, do man das wasser den bergen nach zu den güttern fürt.“

Jede Leitung trägt ihren Namen und hat ihre Geschichte.

Die oberste heisst „Eggeri“ und bewässert besonders die Gegend Egga und Bärgji. Nach mündlicher Überlieferung ist sie vermutlich die älteste Suone und führte ursprünglich bis ins Illas (Stalden). Der „Faden“, so nannte man die Spuren alter Suonen, dieser alten Wasserfuhre über das Bärgji hinaus in den Aebibärg ist noch heute deutlich zu erkennen.

Die „Chilcheri“, die zweitoberste Leitung, fliesst in die Gegend der Kirche. Sie hat Anrecht auf Wasser, wenn der Riedbach bei der Einmündung in die Vispa Überfluss hat.

Die „Drieri“ besteht aus drei Wassern, denn ein Drittel zweigt für Gasenried ab, und zwei Drittel fliessen nach Grächen. Drei Bauern können gleichzeitig Wasser aus dieser Leitung wässern. Allgemein kann man sagen, dass die „Drieri“ bei den Bauern nicht sehr beliebt war. Einerseits hat diese über die gesamte Strecke nur sehr geringes Gefälle. Andererseits ist der Boden auf dem letzten Teilstück sehr steinig und locker und man verlor viel Wasser durch Versickern.

Die Fassungen von „Riederi“, „Chilcheri“ und „Eggeri“ lagen dicht nebeneinander, in der Höhe, wo diese heute noch gefasst werden. Die Gletscherzunge reichte weit herunter und drohte immer wieder, diese Fassungen abzustossen. 1862 verunglückte Ambros Schnidrig, als er die „Chilcheri“ schöpfen wollte und dabei von einem herabstürzenden Eisblock erdrückt wurde. Er verstarb noch auf dem Transport zurück ins Dorf.

Die unterste endlich führt nach Binen und heisst deshalb die „Bineri“.

In der „Aschepfi“ (bei uns auch „Schwelli“ genannt), einem mit Steinen eingedämmten Graben, wird jedes Wasser kurz unterhalb des Gletschertores vom Riedbach abgeleitet.

Zuerst gelangt es in die „Arche“; das ist ein mit dicken Balken in den Hang hineingebauter, rechtwinkliger Behälter, in welchem das Wasser (alles) Geschiebe und Geröll zurücklassen soll.

Sowohl die „Aschepfi“ als auch die „Arche“ müssen während des Wässerns täglich überprüft und gereinigt werden.

Von der „Arche“ weg fliesst das Wasser durch Wald und Flur dem Hange nach bis zum „Teilholz“; dies ist ein quer in die Leitung eingebautes Brett mit zwei genau gleich grossen, keilförmigen Öffnungen, durch welche das Wasser in zwei Hälften geteilt wird.

Das vordere Wasser fliesst bei allen vier Leitungen in den südlichen Teil der Gemeinde, das äussere Wasser hingegen führt zu den Matten im nördlichen Teil des Dorfes.

Jeweils auf der Höhe der Güter gelangt das Wässerwasser durch ein Netz von Abzweigungen und Seitenkanälen auf die Wiesen.


 

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Thomas Platter
(1499-1582)
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Erwin Walter auf der Eggerli (1920)
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Aebibärg (Felsplatte mit Jahreszahlen)
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Spiel an der Sonne