Die Geschichte der Suonen von Grächen

Quellen: Monatsschrift des Schweizer Alpenclubs; Schweizer Heimatbücher „Grächen“

Über die Entstehung der Suonen erzählen sich die Grächner eine heitere Legende:

Als der Herrgott den Regen verteilte, habe er auch die Leute von Grächen fragen lassen, welches Quantum sie möchten. Der Rat der Ältesten habe ihm jedoch zur Antwort gegeben, ihre Güter seien so zwischen Wäldern und Steinen zerstreut, dass es dem Herrgott wohl schwer fallen könnte, überall mit Regen hinzukommen; sie möchten also der Sicherheit halber selber wässern. Und der Herrgott liess den Grächnern ihren Willen.

Da Grächen der niederschlagsärmste Ort der ganzen Schweiz ist (nur 50 bis 55 Zentimeter im Jahr!), sind Bewässerungsanlagen für die Gemeinde von grösster Bedeutung.

Man unterscheidet in Grächen zwei Wässerungssysteme: die sogenannten „Brunnen“ und das Gletscherwasser. Die ersteren sind Quellen, die an verschiedenen Orten, besonders oberhalb des Dorfes, aus dem Boden hervorsprudeln und das ganze Jahr fliessen. Dieses klare Quellwasser dient den Bewohnern sowohl als Trinkwasser wie auch als Wässerwasser, das den Grundstücken in weit verzweigten Grabensystemen zugeführt wird. Die eigentliche Bewässerung geschieht dadurch, dass die Kanäle an verschiedenen Stellen durch grosse Steinplatten oder durch Eisenplatten – „Wässerblatten“ genannt – gestaut werden, wodurch sich das Wasser über die Matte ergiesst.

So gibt es eine ganze Anzahl Quellen, die den verschiedenen Grundstücken zugeteilt sind. In der Regel hat jeder Grundbesitzer immer am gleichen Wochentag das Recht auf eine Anzahl Wässerstunden. Beim Verkauf eines Landstückes wird das Wasserrecht gewöhnlich mitverkauft.

Diese Quellen würden aber nicht ausreichen, die ausgedehnten Wiesen und Äcker alle zu bewässern. Die Vorfahren haben unter grossen Opfern vier Wasserfuhren erbaut. Diese führen parallel zum Hang und in ihnen wird Wasser aus dem Riedbach, dem Abfluss des Riedgletschers, hergeleitet. Das Gletscherwasser ist besonders geschätzt, da der mitgeführte feine Sand und Schlamm die Wiesen zugleich auch düngt.

Wann die ersten Suonen vom Riedbach nach Grächen erbaut wurden, kann man heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Es gibt einige Dokumente aus dem 11. und 12. Jahrhundert, in denen Wasserfuhren aus der näheren und weiteren Umgebung von Grächen erwähnt werden.

Es liegen schriftliche Berichte aus dem 13. Jahrhundert vor, in welchem die Suonen von Grächen erwähnt werden.


 

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Brigger Kurt am Riedbach
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Moritz Walter
(1865 - 1949)
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Alois Lari Schnidrig
(1895 - 1980)